Tallinn

Die estnische Hauptstadt Tallinn ist mit über 400.000 Einwohnern nicht nur die mit weitem Abstand bevölkerungsstärkste Stadt Estlands, sondern auch wirtschaftlich und kulturell mit anderen europäischen Metropolen vergleichbar. Touristische Besucher begegnen hier einer zunehmend modernen Gesellschaft in trauter Harmonie mit gelebter Traditionsverbundenheit. Neben unzähligen mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten entstehen immer wieder neue, moderne Bürohäuser, Restaurants, Cafes und für die abendliche Unterhaltung die modernsten Diskotheken. Dieser Mix aus Alt und Neu ist bezeichnend für die Hauptstadt Estlands.



Die Stadt Tallinn wurde erst im 13. Jahrhundert nach der Schlacht von Lyndanisse von den Dänen unter König Waldemar II. zu einer befestigten und damit wehrfähigen Stadt ausgebaut und erhielt den Namen Reval, den sie bis 1918 trug. Der Schwertbrüderorden konnte die Stadt Reval jedoch 1227 erobern und bis zum erneuten Sieg der Dänen im Jahr 1238 verwalten. Unter dänischer Herrschaft erblühte die Stadt Reval, erhielt 1248 vom dänischen König das Stadtrecht und noch einige andere Privilegien, die sie ziemlich unabhängig machten. Die Oberschicht der Stadt bestand aus deutschen Kaufleuten, die den Anschluss an die Hanse, einem spätmittelalterlichen Zusammenschluss von Handelsstädten im Ostseeraum zum Schutz vor feindlichen Angriffen und der Wahrung gemeinsamer Handelsinteressen begünstigten.Reval (heute Tallinn) spielte durch seine direkte Lage an der Ostsee eine zentrale Rolle im Ostseehandel. Im Jahr 1346 übernahm der Deutsche Orden die Stadt und alle umliegenden Gebiete, bis 1561 die Schweden die deutsche Herrschaft beendeten und Reval erneut einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg unter schwedischer Führung erlebte. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Russland und Schweden, die als Folge der Nordischen Kriege zur russischen Machtübernahme in Reval im Jahr 1710 führten. Viele Russen zog es in die Hafenstadt, der Hafen wurde ausgebaut und unter russischer Herrschaft entstanden zahlreiche noch heute existierende Bauten im typisch russischen Baustil, die für die russischen Zuwanderer gebaut wurden. In den folgenden zweihundert Jahren der russischen Besatzung begann schon Zar Peter, die Verwaltungsprivilegien der Stadt zu verringern und die estnische Bevölkerung stärker unter russischen Einfluss zu bringen. Die estnische Bevölkerung besann sich immer mehr auf die eigenen Traditionen und rief letztlich 1918 ihre Unabhängigkeit aus. Aus der Stadt Reval wurde die estnische Hauptstadt Tallinn, Russland erkannte die Grenzen des unabhängigen Staates 1920 an und viele vormals vertriebenen Esten kehrten in ihre Heimat zurück.
Im zweiten Weltkrieg besetzten erst die Russen (1939) und später die Deutschen (1941) unter Hitlers Führung erneut Estland, bis 1944 Estland endgültig in Russland eingegliedert wurde und auch Tallinn unter der politischen und wirtschaftlichen Zwangsherrschaft Russlands zu leiden hatte. Erst im August 1991 endete die Fremdherrschaft und Estland wurde wieder zu einer unabhängigen Nation.
Seitdem bemüht sich Estland um eine stetige Steigerung seiner Wirtschaftsleistung, die in grossen Teilen in und um Tallinn erwirtschaftet wird. In den letzten Jahren sind durch eine verstärkte Privatisierung und langfristige Investitionen in alte und neue Industriezweige erhebliche Erfolge zu verzeichnen. In Tallinn haben sich viele Industrieunternehmen wie z.B. das Elektronikunternehmen ABB Eesti oder Elcoteq Tallinn, die High-Tech-Dienstleistungen für Firmen wie Ericson, Nokia oder Philips zur Verfügung stellen, angesiedelt. Auch die erfolgreiche Firma „Norma“, ein Produzent von Sicherheitsgurten für Kraftfahrzeuge, hat ihren Firmensitz in der estnischen Hauptstadt. In Tallinn lebt fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung Estlands. Die meisten Einwohner arbeiten im stark wachsenden Dienstleistungssektor wie z.B. im Bankverkehr, im Bereich moderner Kommunikationsmittel oder der Touristik – und Logistikbranche. Tallinn profitiert wirtschaftlich auch durch seine Lage an der Ostsee und seinen Haupthafen Muuga, der als Freihandelsgebiet flexiblere Zollverfahren für Transit- und Verteilerfirmen und deren Transitfrachtgut bietet als der alte Stadthafen, der als Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe und Fähren (tallinn ferry), aber auch für die Abfertigung allgemeiner Güter genutzt wird. Nicht nur über den Hafen, sondern auch über seinen internationalen Flughafen bietet Tallinn zahlreiche Flugverbindungen in das europäische Ausland und steigende Zahlen von geschäftlichen, aber auch touristischen Besuchern honorieren diese moderne Reisemöglichkeit mit einem Ausflug in die Hauptstadt Estlands.