Bauwerke

Hermannsburg (Hermanni linnus)
St. Peterburi mnt. 2 Täglich 10.00 – 18.00 Uhr
Von den Dänen im 13. Jahrhundert erbaut wurde die mittelalterliche Festung im 14. Jahrhundert vom Deutschen Orden als Konvent benutzt und nach dem Livländischen Krieg 1558 von Schweden übernommen. Die Befestigungsmauern um den Stadtkern von Narva wurden verstärkt, um weiteren kriegerischen Aus- einandersetzungen standhalten zu können. Im Nordischen Krieg zwischen 1700 und 1721 eroberten trotz der verbesserten Wehranlagen die Russen nicht nur Narva und die Hermannsburg, sondern ganz Estland. In den folgenden Jahren führten zahlreiche territoriale Streitigkeiten um Estland und die estnische Stadt Narva zu schweren Angriffen, denen die meisten architektonisch anspruchsvollen Bauwerke der Stadt, die während der schwedischen Regentschaft in Narva gebaut worden waren, zum Opfer fielen. Die Hermannsburg wurde in weiten Teilen beschädigt, ist aber mittlerweile aufwendig restauriert und beherbergt heute das städtische Museum (Narva Muuseum) von Narva. In Kooperation mit jungen Gartendesignstudenten des LUUA College legte das Narva Museum 2009 den „Carolus Linnaeus Garten“ in einem Teil des ehemaligen Burgparks an. Der Garten beinhaltet vier verschiedene Pflanzbereiche, von denen nur der Ziergarten und die Wildblumenwiese stetig angelegt sind. Der Kräutergarten und die saisonal angebauten Früchte – und Gemüsesorten können von Besuchern der Hermannsfestung oder den Einwohnern käuflich erworben werden, da jedes Jahr im Frühling die Studenten im Zuge ihres Studiums neue Pläne für die Grünanlagen ausarbeiten und vor Ort anpflanzen.
In den Sommermonaten finden auf dem Burghof häufig folkloristische Veranstaltungen und Konzerte statt.



Lange Hermann (Pikk Hermanni)
St. Peterburi mnt. 2 Täglich 10.00 – 18.00 Uhr
Der Wehrturm der Hermannsburg wurde im 16. Jahrhundert noch einmal erhöht, um auf der gegenüberliegenden russischen Seite die Burg Ivangorod, die im 15. Jahrhundert erbaut wurde, besser beobachten zu können und die russischen Aktivitäten im Blickfeld zu behalten. Auch der über 50m hohe Garnisonsturm erlitt während der Kriegszeit schwere Beschädigungen, die bei der Restaurierung der Burg repariert wurden. Der „Lange Hermann“ ist heute für Besucher begehbar und bietet von seinem um die Burg laufenden Beobachtungsgang einen atemberaubenden Blick über den Fluss Narva, die russische Festungsburg „Ivangorod“ (Jaanilinna) und auf die die beiden Uferseiten verbindende Narva-Brücke.
In mehreren Räumen des Festungsturms stellt das historische Museum Kunstwerke aus den verschiedenen Besatzungsperioden der Stadt Narva aus. Seit 1991 ist dort auch eine Kunstgalerie eröffnet, deren Ausstellungsfläche im Jahr 1996 um einen restaurierten Flügel des historischen Bauwerks erweitert wurden.

Rathaus
Rathausplatz (Raekoja plats)
Das barocke Rathaus in der Altstadt von Narva wurde von 1665 bis 1671 nach Entwürfen des Lübecker Architekten Georg Teufel erbaut und zählt zu den wenigen Zeitzeugnissen der schwedischen Besatzungszeit, unter der die Stadt Narva wirtschaftlich sehr erfolgreich und architektonisch durchaus sehenswert war. Leider sind fast alle diese Bauten während des Krieges zerstört worden. Bis auf das Rathaus, dessen Fassade erneuert wurde, einigen Häusern der Altstadt und der Hermannsburg, die durch aufwendige Restaurationsarbeiten wiederhergestellt wurden, sind diese historischen Bauwerke zum Nachteil des Stadtbildes von Narva durch triste Gebrauchsbauten der russischen Regierung ersetzt worden.

Krenholm-Manufaktur (Kreenholmi Manufaktuur)
Kose 25
Die Textilfabrik Krenholm wurde 1857 vom Bremer Kaufmann und Baumwollproduzenten Ludwig Knoop (1821 – 1894) auf der Insel Kreenholm am Fluss Narva an der estländischen Stadt Narva gegründet und entwickelte sich in kürzester Zeit zum grössten Industriebetrieb Russlands. Seit 1994 ist die im Krieg relativ verschont gebliebene Manufaktur mehrheitlich im Besitz der schwedischen Firma Boras Wäfveri AB, die ihre qualitativ hochwertigen Stoffe nicht nur in Estland, sondern in ganz Europa und den USA vertreibt.
Die Krenholm – Manufaktur kann nach Voranmeldung besichtigt werden.

Lutherische Alexanderkirche (Aleksandri kirik)
Kiriku tn.9
Der imposante achteckige Kirchenbau wurde zwischen 1881 und 1884 erbaut und wie viele andere Bauwerke in Narva im zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt. Der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen, der Glockenturm ist aber wie das Museum bereits fertig gestellt und für Besucher zu besichtigen.

Russisch-Orthodoxe Auferstehungskirche (Voskresensky kirik)
Grafovi / Bastrakovi tanäv
Zar Alexander III. legte 1890 den Grundstein zum Bau dieser Kirche, die in den Jahren 1890 bis 1898 vom gleichen russischen Architekten – Pavel Alish – wie die Krenholm Manufaktur erbaut wurde. Sie liegt inmitten der Krenholmgebäude und war für die Arbeiter der Textilmanufaktur geplant worden.

Lenin Denkmal

Das letzte Lenin-Denkmal des gesamten Baltikums stand ursprünglich im Stadtzentrum von Narva, wurde aber auf das Gelände der Hermannsfestung verlegt. Dort steht „Lenin“ nun mit ausgestrecktem Arm und Blick auf Russland, denn in Teilen der estnischen Bevölkerung kursiert wohl immer noch die „sagenhafte Geschichte“, das der Blick Lenins Unglück verheisse und deshalb seine „Position“ in Estland verändert wurde.

Deutscher Soldatenfriedhof

Ein Ehrenfriedhof für die in der Narva-Schlacht gefallenen Kriegsopfer, der bereits 1943 von der deutschen Wehrmacht angelegt wurde und seit 1995 vom Volksbund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ betreut und finanziell unterhalten wird. Nach dem Betreten des Friedhofs führt ein Weg, der von Gedenktafeln mit den Namen der Verstorbenen und grossen Kreuzen gesäumt ist, an den Gräbern vorbei und mündet in einem Gedenkplatz. Dieser Platz ist durch ein 4,50m hohes Natursteinkreuz gekennzeichnet und erinnert auf beeindruckende Weise an die verheerenden menschlichen Verluste während des Krieges.