Narva

Die estnische Stadt Narva liegt im Landkreis Ida-Virumaa und ist mit einer Fläche von fast 85 qkm und ca. 67.000 Einwohnern die drittgrösste Stadt Estlands. Narva ist die östlichste Stadt in Estland und durch die Narva-Brücke (Freundschaftsbrücke), die über den gleichnamigen Fluss führt, direkt mit der kleineren russischen Stadt Ivangorod verbunden, zu der sie bis heute eine Städtepartnerschaft unterhält. In Narva leben ca. 95 % der russischen Einwohner Estlands, was dazu geführt hat, das in dieser ehemals russischen Stadt kaum Estnisch gesprochen wird. Selbst estnischstämmige Bewohner haben in der Öffentlichkeit oder im administrativen Bereich kaum Gelegenheit, ihre geliebte Muttersprache zu sprechen. So werden z. B. an dem von der Universität Tartu gegründeten „Narva Kolleg“ (Narva Kolledz) fast ausschliesslich Lehrer ausgebildet, aber auch dort ist die Unterrichtssprache Russisch.



An der Narva-Brücke befindet sich der besonders streng bewachte Grenzübergang nach Russland. Jeder estnische Staatsbürger muss für die Überschreitung ein Jahresvisum kaufen, um in Ivangorod lebende Familienmitglieder oder Bekannte aus der russischen Besatzungszeit, in der beide Städte zu Russland und für einige Jahre auch zu Estland gehörten, zu besuchen. Russischstämmige Einreisende sind von der Visa-Pflicht nach Russland ausgenommen und können zwischen Narva und Ivangorod pendeln. Nach Estland einreisende Russen benötigen ebenfalls ein Visum. Da z. B. Benzin in Russland erheblich günstiger als in Estland ist, hat sich ein regelrechter Tankpendelverkehr und florierender Handel mit russischem Treibstoff entwickelt, der den ehemals boomenden Schwarzhandel mit billigen, russischen Zigaretten nach behördlichem Verbot ersetzt hat. Der Grenzübergang an der Narva-Brücke ist für alle Autofahrer eine echte Geduldsprobe, denn lange Warteschlangen inmitten von unzähligen LKW’S sind auf diesem wichtigen Transithandelsweg nach Russland keine Seltenheit. Von Narva nach St. Petersburg beträgt die Entfernung 130 km, von Narva nach Tallinn muss man ungefähr 210 km überwinden. Pendler, die nur einen Besuch oder einen kleinen Einkauf in Ivangorod oder Narva machen möchten, überqueren die Brücke, die über den wasserreichsten Fluss Estlands führt, häufig zu Fuss und verkürzen so die teils beträchtlichen Wartezeiten.
Der Fluss Narva wurde nach der erneuten Unabhängigkeit Estlands im Jahr 1991 von Russland zum Grenzfluss erklärt und stellt gemeinsam mit einem erheblichen Küstenstreifen des Peipussee (Peipsi järv) seit 2004 (EU-Beitritt Estlands) die heutige Aussengrenze der EU dar. Der Fluss war auf einer Länge von knapp 80 km der einzige natürliche Abfluss des Peipussees in die Ostsee und mündet in den Finnischen Meerbusen. Noch unter russischer Besatzung wurde der Narva-Stausee gebaut, der vom mittlerweile kanalisierten Fluss gespeist wird und ein Kraftwerk zur Stromerzeugung betreibt. An der 14 km von der Stadt Narva entfernten Flussmündung des Flusses Narva liegt der Kurort Narva- Jöesuu, der bereits unter russischer Regierungszeit ein beliebter Erholungsort für russische Adlige war. Zahlreiche Kureinrichtungen, lange Sandstrände mit beeindruckenden Dünenlandschaften und wunderschöne Kiefernwälder bieten den Kurgästen einen entspannenden Wellnessaufenthalt in diesem Ostseebadeort. Anders als die Industriestadt Narva, deren Stadtbild noch vom staubigen Grau der grobschlächtigen russischen Betonbauten geprägt ist, lässt dieser estnische Kurort mit modernen Gebäuden und gepflegten Parkanlagen bei seinen Besuchern eine einladende und freundliche Urlaubsstimmung aufkommen.
Für Fragen steht ein Touristeninfo – Center in der Pushkini tn. 13 zur Verfügung.
Öffnungszeiten: Mo – Fr 9.00 – 18.00 Uhr, Sa + So 9.00 – 15.00 Uhr