Nationalparks

Nationalpark Lahemaa (Lahemaa Rahvuspark Kulatuskeskus)
Mai – August Mo – Fr 9 – 19 Uhr , Sept. – April Mo – Fr 9 – 17 Uhr
Der Nationalpark Lahemaa ist mit 725 qkm das grösste geschützte Gebiet in Estland und wurde 1971 von den Russen zum Schutz der Artenvielfalt und der Umwelt gegründet. Lahemaa bedeutet „Land der Buchten“, und tatsächlich befinden sich im Hinterland des Nationalparks nette kleinere Urlaubsorte mit wunderschönen Stränden entlang der urwüchsigen Küstenlandschaften. So sind z. B. die Küstenorte Vösu und Loksa beliebte Ferienziele für junge Leute, die im Sommer dort ihre ausgelassenen Partys feiern. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts bauten Intellektuelle und Künstler im Seebad Vösu ihre Sommerhäuser, um an der windgeschützten Bucht mit dem feinen Sandstrand die zahlreichen Wassersportmöglichkeiten vor Ort zu geniessen. Die angrenzenden Föhrenwälder mit unter Naturschutz stehenden alten Bäumen laden zu erholsamen Spaziergängen ein.



Das gesamte Gebiet des Lahemaa-Nationalparks ist von Hochmooren, Waldgebieten, Seen und kleineren Bachläufen durchzogen, an denen sich zahlreiche Tierarten wie Fisch – und Steinadler, Schwarzstörche, Nerze und Biber angesiedelt haben. Die unterschiedlichen Schutzzonen sind für Besucher des Lahemaa-Nationalparks in Abhängigkeit von der Brutzeit der geschützten Vögel geöffnet. Es existieren jedoch auch Bereiche, die gar nicht für die Öffentlichkeit begehbar sind. Im Lahemaa Nationalpark leben zahlreiche Biber, denen der Naturfreund bei einer Wanderung auf dem „Biberpfad“ einen Besuch abstatten und sie mit viel Glück beim Bau eines Dammes beobachten kann.
In dem Besucherzentrum des Parks steht das ausgesprochen hilfsbereite Personal für Auskünfte und ausführliche Beratungen z.B. für geführte Wanderungen zur Verfügung. Das Zentrum ist auch bei Buchungen von Hotelaufenthalten und der Vermittlung von Miet- Autos oder Fahrrädern behilflich, wobei Autofahren nur auf den Hauptstrassen genehmigt ist. Seit der erneuten Unabhängigkeit Estlands ist in dem ehemals sowjetischen Nationalpark einiges geschehen, um das Gebiet sowohl für die estnische Bevölkerung als auch für Touristen zu einem Naherholungsgebiet zu machen. So wurde das ursprünglich seit 1677 im Besitz der deutsch-baltischen Familie von der Pahlen befindliche Gutshaus Palmse komplett restauriert und zu einem Hotel mit Restaurant und Cafe umgebaut. In die Nebengebäude des ehemaligen Gutes ist die Verwaltung des Nationalparks eingezogen und beherbergt ein Naturkundemuseum, in dem man die Geschichte des Naturschutzgebietes und die Entwicklung der angesiedelten Tier – und Pflanzenwelt kennen lernen kann. Auch ein Buch – und Souvenirgeschäft mit Andenken an den Besuch des Lahemaa-Nationalparks haben sich hier etabliert.
Auf dem ehemaligen Gut Sagadi – am Rande des Parks – ist ebenfalls eine sehr gepflegte Hotelanlage mit wunderschönen Parklandschaften aus den ehemaligen Stallungen entstanden. Menschen, die hier ihren Urlaub verbringen, können sich mit tollen Mountainbike-Touren (Verleih vor Ort) die Zeit vertreiben, dem Forstmuseum im ehemaligen Gutshaus einen Besuch abstatten und sich über Flora und Fauna des Parks informieren oder in der Ausstellung über Arbeitsgeräte und alten Jagdwaffen die technische Entwicklung von damals bis heute nachvollziehen. Wer bei den ausgedehnten Radtouren ins Schwitzen geraten ist, wird die Möglichkeit zur Abkühlung in einem der kleineren Seen im Park sicher gerne nutzen und nach dem erfrischenden Bad beherzt auf den vom Hotel vorbereiteten Picknick-Korb zugreifen.
Auf dem Reiterhof „Kuusekännu“ ( Tel. +372 325 2942), der ganzjährig geöffnet hat, werden nicht nur Reitstunden und Ausritte angeboten, sondern auch mehrtägiges Wanderreiten mit Übernachtung im Reitercamp. Im Winter erfreuen romantische Schlittenfahrten die kleinen und grossen Besucher des Parks.

Nationalpark Sooma (Soomaa rahvuspark)
Der Nationalpark Sooma gehört mit einer Grösse von 367 qkm seit 1997 zu den wichtigsten Naturschutzgebieten Europas. Er wurde im Jahr 1993 gegründet, um dieses Feuchtgebiet mit unwegsamen Sumpflandschaften und vier riesigen Mooren zu schützen. Die Flüsse Raudna, Halliste und der Emajögi durchziehen den Park. Nicht zuletzt sind sie für die Überschwemmungen in der Zeit zwischen den Ausläufern des Winters mit jeder Menge Tauwasser durch die Schneeschmelze und den ersten Frühlingstagen verantwortlich, die Teile des Parks wochenlang unbegehbar machen. Auf den Flüssen kann man Bootstouren unternehmen, um die Landschaft des Nationalparks zu erkunden. Es gibt 13 ausgeschilderte Wanderwege, aber das Wandern durch den Park ist nur auf den ausgelegten Holzbohlenwegen erlaubt, da man im freien Gelände an zahlreichen Stellen im Moor einsinken und sich ohne Hilfe kaum wieder aus dieser gefährlichen Situation befreien könnte. Allerdings darf man an einigen gekennzeichneten Wasserlöchern mitten im Sumpf ein prächtiges Pflegebad für die Haut nehmen, denn die grosszügigen „Naturbadewannen“ haben wunderbar klares und sehr heilsames Wasser, was man bei einem Blick über den „Wannenrand“ kaum glauben kann. Der dunkle Moorboden lässt klebrige und tintenschwarze Brühe erwarten, wie man es von einem medizinischen Fangobad kennt und macht den ersten Schritt in die „dunklen Tiefen“ des Wasserlochs etwas zögerlich. Doch hier werden die Mutigen mit einer ganz besonderen Erfahrung in einer wohl einzigartigen Umgebung belohnt.
Wenn man sich dann noch in Erinnerung ruft, das in diesem riesigen Gebiet auch Bären, Wölfe und Elche vorkommen, kann man seine Geschichte von dem „unheimlichen“ Moorbad für die Daheimgebliebenen natürlich noch etwas „ausschmücken“. Ansonsten umfasst das Freizeitangebot im Sooma-Nationalpark organisierte Bibersafaris und Kanufahrten.

Nationalpark Matsalu (Matsula rahvuspark)
Seit 2004 ist das frühere Naturschutzgebiet Matsalu zum Nationalpark avanciert und ist von über 270 verschiedenen Vogelarten bewohnt. Es ist eines der bedeutendsten Vogelschutzgebiete in Europa. Der Nationalpark hat eine Fläche von 486 qkm und ist aufgrund der Artenvielfalt bei Ornithologen und Vogelfreunden sehr beliebt. Aber auch Wanderer kommen gerne und folgen den ausgeschilderten Wanderwegen, um die wunderschöne Natur zu erleben. Abertausende von Zugvögel besuchen den Nationalpark im Frühjahr und Herbst auf ihrer Reise zu ihren arktischen Brutplätzen und bieten ein unglaubliches Spektakel, wenn sie zu riesigen Schwärmen in den Feuchtgebieten landen und eine Erholungspause einlegen. Von den zahlreichen Beobachtungstürmen hat man einen herrlichen Blick über die Landschaft und den Fluss. Allerdings ist der Nationalpark nur an einigen Stellen der Öffentlichkeit zugänglich. Die geführten Vogelbeobachtungen und Bootstouren durch die Mitarbeiter des Nationalparks richten sich nach den Brutzeiten der ansässigen Vögel und werden mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere geplant.

Nationalpark Vilsandi
Der Nationalpark Vilsandi wurde nach seiner gleichnamigen Insel, die als einzige von insgesamt 160 Inseln bewohnt ist, benannt und 1993 gegründet. Die Insel Vilsandi war schon in früheren Zeiten ein geschütztes Naturreservat für viele Seevögel, die dort leben und auch nisten. Im Frühjahr und im Herbst machen unzählige Wasservögel einen Stopp auf der Insel, um sich für ihren weiteren Weg in die Arktis zu stärken. Im Februar treffen sogar Kegelrobben zu Hunderten auf einer der kleinen Insel ein, um hier ihre Jungen zu gebären und in Ruhe aufzuziehen, bis sie nach dem Fellwechsel zusammen mit ihren Eltern zu den Sommerplätzen im Norden des Nationalparks schwimmen können. Von den über 180 qkm Fläche des Nationalpark Vilsandi sind über 100 qkm reines Meeresgebiet.