Estnische Tracht

Zum estnischen Tanz gehört auch das Tragen der Landestracht, wobei eigentlich jeder Landkreis eine eigene Tracht mit kleinen Unterschieden in den Mustern hat. Grundsätzlich kann man aber sagen, das die allgemeine Tracht aus einem schwarzen Wickelrock mit rotem Besatz besteht. Dieser Rock wurde früher „Vaip“ (Decke oder Teppich) genannt und bestand aus gewebten Stoffen, die auf Mass angefertigt wurden, um keinen Stoff durch eventuelles Kürzen zu verschwenden.Über dem Rock wird eine grüne Baumwollschürze (früher Leinen) getragen, die ebenfalls mit einem roten Band eingefasst ist. Ein mit diversen Sonnenmustern besticktes Fransentuch wird in den archaischen Gürtel der Schürze gesteckt und verziert mit seinen gestickten „archaischen Mustern“ die einfarbige Schürze.



Die Bezeichnung „archaisch“ für die bunt-gewebten oder gestickten Trachtenbänder resultiert aus der sehr mühseligen Art der Herstellung, die nicht nur die Frauen in Estland früher benutzten. Sie webten die bunten Bänder „auf dem Fuss“, d.h. es wurde eine Kette mit dem einen Ende um den nackten Fuss geschlungen, das andere Ende, mit dem gewebt wurde, mit der Hand festgehalten. Man kann sich vorstellen, wie anstrengend und mühsam eine solche Arbeit in dieser Arbeitshaltung gewesen sein muss. Zur estnischen Tracht gehört auch ein langer, schwarzer und ebenfalls mit rotem Besatz verzierter Mulgimantel, der von Frauen und Männern gleichermassen getragen wird. Der Name Mulgi bezeichnet – etwas scherzhaft gemeint – Bauern aus dem Süden Estlands, denen man eine besondere Liebe zu ihrem Land nachsagt, weil sie angeblich ständig in der Erde wühlen. Das passende Schuhwerk zu den Trachten besteht aus ledernen Bundschuhen, die mit einem Riemen über den Fesseln gehalten werden.