Berühmte Persönlichkeiten

Jaan Kross (1920-2007) – Schriftsteller
Jaan Kross studierte an der Universität Tartu Rechtswissenschaften und wurde1946 von den Russen nach Sibirien deportiert. Er kam 1954 nach Tallinn zurück und arbeitete als freier Schriftsteller, der im Laufe seines Lebens mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen bis zum Erhalt des Kulturpreises der Republik Estland ein Jahr vor seinem Tod für sein künstlerisches Schaffen geehrt wurde. Er schrieb sowohl moderne Gedichte, Kurzgeschichten und zahlreiche historische Romane, die sich mit der russischen Besatzung und dem estnischen Freiheitskampf auseinandersetzen.



Johann Voldemar Jannsen (1819-1890) – Schriftsteller
Vor seiner Tätigkeit als Schriftsteller war Jannsen als Küster und später als Lehrer an der Kirchenschule in Vändra beschäftigt. Bekannt wurde er durch die Übersetzung von über tausend Kirchenliedern, aber auch die weltliche Musik interessierte ihn, so das er 1860 ein estnisches Liederbuch (Eesti Laulik) für Chorgesänge veröffentlichte. Er gründete nach seiner Arbeit als Redakteur der Zeitung Pärnu Postimees eine eigene Zeitschrift (Eesti Postimees) in Tartu und unterstützte mit seinen Veröffentlichungen die Nationalbewegung der estnischen Bevölkerung. Er schrieb auch den Text der heutigen Nationalhymne Estlands.

Lydia Koidula (1843-1886) – Dichterin
Lydia Koidula war die Tochter des Schriftstellers Johann Voldemar Jannsen und wurde durch ihre patriotischen Liedtexte und Gedichte berühmt. Zahlreiche Lieder gehören noch heute zu den traditionellen Volksliedern.

Anton Hansen Tammsaare ( 1878-1940) – Schriftsteller
Aus ärmlichen Verhältnissen stammend schaffte Tammsaare es, ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Tartu zu beginnen, wurde aber durch eine Tuberkulose-Erkrankung gezwungen, sein Studium aufzugeben. Während seiner Genesungszeit las er zahlreiche Werke der bekanntesten Schriftsteller, die ihn zu seinen später veröffentlichten Büchern inspirierten. Thematisch setzte er sich mit der russischen Besatzungszeit, ihren Einfluss auf die Menschen und ihren Folgen auseinander. Er zählt zu den wichtigsten Schriftstellern in Estland.

Friedrich Robert Faehlmann (1798-1850) – Arzt und Sprach-wissenschaftler
Faehlmann war Gründungsmitglied der Gelehrten Estnischen Gesellschaft und konzipierte das Nationalepos „Kalevipoeg“, eines der wichtigsten Werke der estnischen Literatur, das aus mehreren Tausend Versen und zahlreichen Gesängen über den Riesen Kalevipoeg besteht. Für die wichtigsten Handlungen fertigte er Skizzen an, die nach seinem Tod von Friedrich Reinhold Kreutzwald (1803-1882) – Arzt und Schriftsteller fertiggestellt wurden. Er führte die Geschichten um Kalev’s Sohn weiter und sorgte für die Veröffentlichung des Nationalepos.

Arvo Pärt (geb. 1935) – Komponist
Als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten für klassische Musik mit religiösem Hintergrund entwickelte Pärt einen besonderen Musikstil mit dem Namen „Tintinnabuli“ (Klingeln der Glocken). Er vertrat die Ansicht, das eine rythmisch „einfache“ Musiksprache grenz – und konfessionsübergreifend die Menschen zum gemeinschaftlichen Erleben und Verstehen der Musik bringen kann.

Neeme Järvi (geb. 1935) – Dirigent
Ein Dirigent von Weltruf, der in der ganzen Welt zu Gastauftritten eingeladen wird und bereits die besten Orchester dirigiert hat. Als ehemaliger Leiter des estnischen Rundfunksymphonieorchesters und des Opernhauses war er lange Jahre sehr erfolgreich und gewann wichtige Wettbewerbe, die ihm grosses Ansehen brachten. Er arbeitet zur Zeit als Musikdirektor in den Haag.

Eda-Ines Etti (geb. 1981) – Sängerin
Die aus Haapsalu stammende Sängerin wurde als Teilnehmerin am Eurovision Song Contest 2000 in Schweden auf den 4. Platz gewählt und erlangte mit dieser guten Platzierung auch internationale Anerkennung. Erneute Versuche, den estnischen Vorentscheid (Eurolaul) für sich und ihren Liedvortrag zu entscheiden scheiterten, was aber an der Beliebtheit ihrer veröffentlichten Alben in estnischer und englischer Sprache nichts geändert hat.

Lennart Georg Meri (1929-2006) – Schriftsteller und Politiker
Das Schaffen dieses Mannes war geprägt von seinem unaufhörlichen Engagement für sein Land. Aus einem Diplomaten-Haushalt stammend reiste Meri gemeinsam mit der Familie und wurde an zahlreichen Schulen im Ausland in verschiedenen Sprachen unterrichtet. Er lernte neben seiner Muttersprache Estnisch auch Englisch, Russisch, Finnisch, Deutsch, Latein und Französisch. Nach der Rückkehr nach Estland wurde die gesamte Familie nach Sibirien deportiert. Nach vielen Jahren im Exil kehrte die Familie nach Estland zurück und Meri schloss sein Studium der Geschichte und Sprachwissenschaften an der Universität in Tartu ab. Unter der russischen Herrschaft war es ihm verboten seinen erlernten Beruf auszuüben und er arbeitete als Dramaturg am Vanemuine Theater, dem ältesten Theater Estlands. Meri veröffentlichte 1958 sein erstes Buch. Sein besonderes Interesse galt der Erforschung der finnougrischen Sprache und der Verwandtschaft der finnougrischen Völker. Im Jahr 1963 trat er der estnischen Schriftstellervereinigung bei und wurde schon wenig später in den siebziger Jahren zum Ehrenmitglied der finnischen Literaturgesellschaft gewählt. Ende der siebziger Jahre wurde das russische Reiseverbot aufgehoben und Lennart Meri begann, im Ausland für Estland zu werben. Er nutzte die Gelegenheit öffentlich auf die Missstände in Estland hinzuweisen und wurde nach der Unabhängigkeit der erste Aussenminister des nunmehr freien Estlands. Am 6. Oktober 1992 wurde Lennart Meri zum zweiten Staatspräsidenten der Republik Estland gewählt.

Toomas Hendrik Ilves (geb. 1953) – Politiker
Als amtierender Staatspräsident und ehemaliger Aussenminister ist Toomas Hendrik Ilves Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in Estland und war bereits lange Jahre vor seiner Wahl politisch aktiv. Er wurde in Schweden geboren, da seine estnischen Eltern dort im Exil lebten. Die Familie übersiedelte nach Amerika, wo Ilves seine Schul – und Studienzeit verlebte und nach Abschluss seines Psychologiestudiums bis 1983 arbeitete. Da er seine Muttersprache Estnisch beherrschte, wurde er 1988 Leiter der estnischen Redaktion beim Radiosender Freies Europa in München. 1993 wurde er zum estnischen Botschafter in Amerika berufen und der Grundstein für eine öffentliche politische Karriere war gelegt. Er übernahm in den folgenden drei Jahren auch die Botschaftsarbeit in Kanada und Mexiko, kam nach Estland zurück und wurde erstmals im Jahr 1996 zum Aussenminister gewählt.

Andrus Ansip (geb. 1956) – Politiker
In Tartu geboren studierte Ansip an der dortigen Universität Chemie und arbeitete nach Abschluss seines Studiums bei diversen Banken, bevor er sich für die Politik entschied. 1998 wurde Ansip als Kandidat der Reformpartei (Reformieakond) zum Bürgermeister von Tartu gewählt und behielt dieses Amt bis ins Jahr 2004. Im September 2004 übernahm Ansip den Parteivorsitz von Siim Kallas, der als EU-Kommissar und Vizepräsident der europäischen Kommission in das EU-Parlament einzog. Am 13. April 2005 wurde Ansip Premierminister von Estland.