Verkehr

Strassenverkehr
Bedingt durch das rapide Wirtschaftswachstum nahm auch der Bestand an privaten und gewerblichen Fahrzeugen (Kfz-Kennzeichen: EST) entsprechend zu. Das estnische Strassennetz war diesem Verkehrsaufkommen nicht gewachsen und der Bau neuer Strassen mit höherer Kapazität wurde zwingend erforderlich. Die schnelle Ausweitung des Verkehrsnetzes führte besonders in den Jahren 1996/97 zu einer Steigerung der Strassendichte. Durch externe Unterstützung seitens der EU und der Weltbank wird die Erweiterung des Strassennetzes und die Verbesserung der Bauverfahren bezüglich der Strassenbelagstechnologien gefördert. Im Jahr 2002 wurden ca. 88 Millionen Euro in den estnischen Strassenbau investiert. Die wichtigste Verkehrsverbindungen sind die „Via Baltica“ (Europastrasse 67), die von Tallinn in Richtung Südwesten nach Riga führt, die „Via Estonia“ in südöstlicher Richtung und die „Via Hansa“ nach Finnland und Russland. Das Strassennetz in Estland ist mittlerweile relativ gut ausgebaut und die Anzahl an asphaltierten Strassen steigt stetig. Besondere Aufmerksamkeit ist bei Radfahrern erforderlich, denn sie benutzen in Ermangelung eigener Radwege selbst Schnellstrassen wie die „Via Baltica“, die mit zwei mal zwei Fahrspuren ausgebaut ist und ein hohes Verkehrsaufkommen hat.



Luftverkehr
Der einzige internationale Flughafen in Estland ist Tallinn-Ülemiste (Lennart Meri Tallinna Lennujaam ). Er wurde 1936 eröffnet und fertigt mittlerweile fast 2 Millionen Fluggäste pro Jahr ab. Aufgrund des immer stärker zunehmenden Flugverkehrs waren umfangreiche Erweiterungsbauten erforderlich, um den touristischen Ansturm zu bewältigen. Einst ein Flughafen, auf dem bis 1989 nur eine Fluggesellschaft (Aeroflot) landete, hat sich der Tallinner Flughafen in den Jahren zu einem modernen Verkehrspunkt entwickelt. Ende 1989 landete als erste ausländische Fluggesellschaft die SAS ( Scandinavian Airlines System) in Tallinn. Mittlerweile fliegen zahlreiche internationale Fluggesellschchaften ( Air France, Delta Airlines, Czech Airlines) Tallinn an. Die Lufthansa erreicht Tallinn täglich aus Frankfurt und München, mehrmals am Tag landet aus Helsinki die Finnair. Die landeseigene Fluggesellschaft Estonian Air und ihre Tochtergesellschaft Estonian Air Regional fliegen von dort zahlreiche regionale und europäische Ziele an. Die Passagierzahlen stiegen von 1,4 Millionen im Jahr 2005 auf 1,8 Millionen in 2008. Im März 2009 wurde der Name des Flughafen zu Ehren des ersten demokratischen Staatspräsidenten in Lennart Meri Flughafen benannt.
Neben dem Flughafen in Tallinn gibt es noch weitere Flughäfen in Estland, wie z.B. der Flughafen Kärdla (Kärdla lennujaam) auf der Insel Hiiumaa. Er wurde 1963 gebaut und stellte regelmässige Verbindungen zu den Städten Estlands zur Verfügung. Nach der Erneuerung der Landebahn im Jahr 1998 wird der Flughafen für Personen- und Frachtflüge genutzt. Von Montag bis Freitag zweimal, am Wochenende einmal täglich wird Tallinn angeflogen.
Ein weiterer wichtiger Flughafen ist Kuressaare (Kuressaare lennujaam ) auf der drittgrössten Ostseeinsel Saaremaa, die bei Touristen und Einheimischen gleichermassen beliebt ist. Vor allem im Winter, wenn keine Schiffsverbindung zum Festland möglich ist, kann der Fischfang direkt zu den Zielmärkten transportiert werden. Regelmässige Flugverbindungen nach Tallinn bestehen seit 1945, aber auch die Insel Ruhnu, Riga, Stockholm und Helsinki werden von Kuressaare aus angeflogen. Da das touristische Aufkommen in ganz Estland stark zugenommen hat, sind auch die kleineren Flughäfen besser ausgelastet und bieten dadurch mehr Verbindungen an.
Der einstige Sanitätsflughafen Tartu-Ülenurme (Tartu Ülenurme lennujaam ) wurde 1946 gebaut . Nach Erweiterungsarbeiten an Start- und Landebahnen und der Einführung des Linienflugverkehrs im Jahr 2009 steigen die Passagierzahlen des heutigen Zivilflughafens stetig an. Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic fliegt viermal in der Woche von Riga nach Tartu und auch die Estonian Air Regional nutzt den Flughafen in Tartu für eine Verbindung nach Stockholm.

Eisenbahn
Eigentlich ist in Estland die Eisenbahn für den öffentlichen Verkehr von untergeordneter Bedeutung, da im ganzen Land ein reger Busverkehr mit guten Verbindungen existiert, die Züge im Vergleich noch relativ langsam unterwegs sind und noch nicht genügend Verbindungen anbieten können. Viele Reisebus-Unternehmen organisieren Urlaubsfahrten von den grossen Städten Deutschlands aus und bringen die Touristen nach Estland. Allerdings arbeiten sowohl die staatlichen als auch die privaten Eisenbahngesellschaften mit der finanziellen Unterstützung der EU-Kommission daran, ihr Angebot zu verbessern. Die seit Ende 2006 wieder staatliche „Elektriraudtee“ hat nach erfolgreicher Ausschreibung den Zuschlag zum Ankauf neuer Elektrotrieb-Züge an eine Schweizer Firma erteilt. Testfahrten der neuen 18 Elektrotrieb-Züge, die ab 2013 eingesetzt werden sollen und der zusätzlichen 10 Dieseltrieb-Zügen für 2014 sind bereits für das Jahr 2012 vorgesehen, damit die Kapazität der Verkehrsverbindungen möglichst zügig ausgeweitet werden kann.
Der Eisenbahnverkehr in Estland wird vorwiegend von der staatlichen Eisenbahngesellschaft „Eesti Raudtee“ betrieben. Die Gesellschaft besitzt den grössten Teil des estnischen Schienennetzes und nutzt dieses für den Güterverkehr. Seit 2009 splittet sich die Eesti Raudtee in zwei Tochtergesellschaften mit geteilten Aufgabengebieten. Die „ EVR Infra“ ist für die Personenbeförderung und die „EVR Cargo“ für den Gütertransport zuständig.
Die Strecke von Tallinn nach Pärnu und Viljandi gehört der privaten Eisenbahngesellschaft „Edelaraudtee“, die auch den gesamten, nicht elektrifizierten Personenverkehr rund um die Stadt Tallinn betreibt.
Die Vorortzüge auf den elektrifizierten Strecken rund um Tallinn betreibt die staatliche Eisenbahngesellschaft „Elektriraudtee“.
Die internationalen Fernzüge von Tallinn über Narva nach Moskau und St. Petersburg betreibt das Unternehmen „Go Rail“, ein Teilunternehmen des estnischen Touristikkonzerns „Go Group“.