Geschichte

Die geschichtliche Entwicklung Estlands ist geprägt von fortwährenden kriegerischen Besetzungen
des Landes, so das die stetige Fremdherrschaft zur Entwicklung eines besonders ausgeprägten Nationalbewusstseins bei der estnischen Bevölkerung geführt hat.



Zeittafel zur Geschichte Estlands

9000 v.Ch. – Finnouguren (estnische Vorfahren) besiedeln die Ostseeküste

800-1200 n.Ch. – estnische Wikinger überfallen die Orte rund um die Ostsee

1208-1227 – Freiheitskampf
Süd – und Westestland werden durch Deutsche Kreuzritter besetzt und zum Christentum bekehrt, Nord und Ostestland fallen an Dänemark
Über einen Zeitraum von 700 Jahren wird Estland stark durch die Deutsche Besatzung geprägt

1523 – Reformation, die erste Messe in estnischer Sprache wird gefeiert

1525 – Der lutherische Katechismus wird als erstes Buch in estnischer Sprache gedruckt

1558-1583 Livländischer Krieg
Russische Truppen unter Iwan IV. fallen in Livland ein und kämpfen gegen Polen-Litauen, Dänemark und Schweden, um sich den Handelsweg nach Westeuropa zu erstreiten. Russland verliert letztlich gegen den Deutschen Orden und muss sich zurückziehen.

1561 – Die Kontrolle über Estland geht an Schweden und das „Schwedische goldene Zeitalter“ beginnt

1576/77 – Iwan IV. startet einen neuen Angriff und erobert das von Schweden und Polen besetzte Livland für kurze Zeit, muss dann aber erneut den Streitmächten von Schweden und Polen – Litauen weichen.

1582 – Waffenstillstand zwischen Russland und Schweden, Iwan IV. verzichtet auf Livland und erhält dafür die verlorenen russischen Gebiete zurück

1583 – Friedensvertrag von Pljussa, Schweden übernimmt erneut die Herrschaft über Estland

1632 – der schwedische König Gustav II. Adolf gründet die erste Universität in Tartu (Dorpat)

1700-1721 – Nordischer Krieg
Russland, Dänemark-Norwegen, Polen-Litauen und Sachsen fielen im Jahr 1700 in Schweden ein und versuchten, den Kampf für sich zu entscheiden. Die lang anhaltenden Kampfhandlungen führten dazu, das Dänemark – Norwegen und später auch Sachsen – Polen sich zurück zogen. Nach weiteren Jahren der kriegerischen Auseinandersetzung gewinnt 1721 Russland diesen Krieg und Estland wird der neuen Grossmacht Russland unter Zar Peter I. angeschlossen.

1739 – Die erste estnische Bibelübersetzung erscheint

1811 – Die Bauern Estlands werden durch Beschluss der Ritterschaft von der Leibeigenschaft befreit

1816 – Der russische Kaiser Zar Alexander I. (1777-1825) bestätigt den Beschluss der Ritterschaft und hebt die Leibeigenschaft in Livland, Estland, Kurland und der damaligen Insel Ösel endgültig auf

1860-1885 In der estnischen Bevölkerung wächst durch die immer restriktiveren Russifizierungsmassnahmen des Zaren Alexander II. das nationale Gemeinschaftsgefühl und die Menschen sehnen sich nach einer eigenen Nationalität.

1869 – Johann Voldemar Jannsen organisiert das erste estnische „Sängerfest“ in Tartu (Dorpat)

1905 – Russische Revolution, das russischeVolk erhebt sich gegen Zar Nikolaus II. und verlangt eine bessere Versorgung der Zivilbevölkerung.

1917 – Der russische Zar dankt nach schweren Protesten und Auseinandersetzungen ab und eine Bürgerpartei übernimmt die Staatsgeschäfte in Russland, bis Lenin aus der Oktoberrevolution als Sieger und zukünftiger Herrscher über Russland hervorgeht.

1918 – Deutschland und Russland vereinbaren Waffenstillstand, Deutschland besetzt Estland

24.2.1918 – Estland erklärt seine Unabhängigkeit und ruft die Republik aus (Nationalfeiertag)

2.2.1920 – Russland erkennt die Unabhängigkeit Estlands an, die russisch-estnische Grenze wird festgelegt und deportierte Esten kehren in ihre Heimat zurück

1939 – Hitler und Stalin vereinbaren einen Nichtangriffspakt, der bei Kampfhandlungen gegenseitige Neutralität garantiert. Estland wird Russland überlassen

1940 – Estland wird in Russland eingegliedert und zur Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik

1941 – die erste grosse Massendeportationen von Esten durch die Russen findet statt

1941-1944 Deutschland bricht den Pakt mit Stalin und besetzt Estland. Statt Russifizierung findet eine Germanisierung statt – jüdische Bürger werden deportiert

1944 – Die Russen fallen erneut in Estland ein, um sie von den Deutschen zu befreien. Russland siegt und Estland wird endgültig in das sowjetische Reich eingegliedert

1949 – Eine weitere Deportation von Esten durch die Russen erfolgt und zeitgleich wandern
massenhaft Russen nach Estland ein.

1987 – „Phosphor-Kriege“, zahlreiche Esten demonstrieren gegen den von Russland geplanten Tage – Abbau von Phosphor in Estland

1988 – „Singende Revolution“, Hunderttausende Esten singen traditionelle Volkslieder für die Unabhängigkeit ihres Landes

1989 – „Baltische Kette“, 2 Millionen Menschen demonstrieren für die Unabhängigkeit der Baltischen Staaten und bilden eine Menschenkette von Tallinn über Riga nach Vilnius

1990 – Russland beschliesst den stufenweisen Übergang Estlands in die Unabhängigkeit

1991 – In Russland misslingt ein Putschversuch gegen den regierenden Präsidenten Gorbatschow
und die entsendeten russischenTruppen versagen im Kampf um das Baltikum

20.8.1991 – Estland erklärt seine Unabhängigkeit

6.9.1991 – Russland erkennt die Unabhängigkeit Estlands an

20.6.1992 – Währungsreform, Estland führt als erstes baltisches Land eine eigene Währung (estnische Krone) ein

31.8.1994 – Die letzten russischen Truppen verlassen Estland, nachdem Estland zustimmte, den russischen Einwanderern und ehemaligen Armeeangehörigen ein Bleiberecht zu geben und ihnen die estnische Staatsbürgerschaft zu ermöglichen.

24.11.1995 – Estland stellt den EU – Beitrittsantrag

1998 – Die Europäische Union nimmt die Beitrittsverhandlungen mit Estland auf, Estland schafft den erfolgreichen Übergang von der Planwirtschaft zur freien Marktwirtschaft

November 1999 – Estland tritt der Welthandelsorganisation bei

August 2000 – In Estland findet die erste papierlose Kabinettssitzung per Computerabstimmung statt

29.3.2004 – Estland tritt der Nato bei

1.5.2004 – Estland tritt der EU bei

16.10.2005 – Estland führt als erstes Land weltweit die Stimmabgabe bei Kommunalwahlen per Internet (I-Voting) durch

2006 – Toomas Hendrik Ilves wird Präsidenten von Estland

2007 – Estland wird Teil des Schengen-Abkommens

2007 – Das russische Ehrendenkmal „Bronze-Soldat“(Pronkssõdur ) wurde von den Sowjets 1947 anlässlich der Befreiung Estlands errichtet und sollte aus der Mitte der Stadt auf den Friedhof der estnischen Streitkräfte verlegt werden. Dieses Vorhaben führte zu schwersten Unruhen in der Bevölkerung und nachhaltigen Protesten seitens der russischen Regierung.

2008 – Über 100.000 Menschen treffen in Erinnerung an die „Singende Revolution“(friedlicher Protest gegen russische Besatzung im Jahr 1988) zu einem Sängerfest in Tallinn zusammen

Januar 2008 – Estland verhandelt über eine Vollmitgliedschaft bei der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung )

Mai 2010 – EU-Kommission prüft Konvergenzkriterien (wirtschaftliche Stabilität) Estlands zur Euro-Einführung

Juni 2010 – EU-Finanzminister befürworten die Euro-Einführung zum 1.Januar 2011

17.Juni 2010 – Staats – und Regierungschefs beschliessen endgültig die Euro-Einführung in Estland zum 1.Januar 2011

2011 – Tallinn wird Kulturhauptstadt Europas