Bildung

In Estland werden die grundsätzlichen Strukturen des Bildungssystems durch das Parlament festgelegt, die Gewährleistung des Bildungsstandards obliegt jedoch dem Bildungs- und Forschungsministerium. Auch die Entwicklung und Durchführung staatlicher Bildungsprogramme steht in der Verantwortung dieses Ministeriums. Alle Kleinkinder haben das Recht auf einen Kindergartenplatz, aber auch in Estland sind nicht in allen Regionen genügend Kapazitäten vorhanden. Vorschulprogramme für alle fünf-und sechsjährigen Kinder sind Pflicht und finden entweder in den Kindergärten oder in den Schulen mit vom Staat bezahlten Pädagogen statt. Das Bildungswesen gliedert sich in den Vorschulbereich, Grundschule (Primärbereich, Klasse 1- 4), weiterführende Schulen (Sekundarstufe 1, Klasse 5-9), höhere weiterführende Schulen (Sekundarstufe 2, Klasse 10-12), berufsbildende Schulen, Hochschulen und Universitäten.



In Estland gilt eine neunjährige Schulpflicht (Primär- und Sekundärstufe 1), die mit Erreichen des siebten Lebensjahres beginnt und nach Abschluss der neunjährigen Ausbildung bzw. mit dem 17. Lebensjahr endet. Nach Abschluss der Sekundarstufe 1 können die Schüler zwischen einer berufsbildenden Schule bzw. beruflichen Ausbildung mit dem Besuch der entsprechenden Berufsschule oder einer weiterführenden Schule (staatliche oder private Gymnasien) der Sekundarstufe 2 wählen. Der erfolgreiche Abschluss der 12.Klasse/ Berufsausbildung berechtigt zu einem Universitätsstudium oder dem Besuch einer berufsbildenden Akademie.
In Estland wurde 1993 das Gesetz über die „kulturelle Autonomie nationaler Minderheiten“ verabschiedet und damit den unterschiedlichen Nationalitäten innerhalb der estnischen Bevölkerung die Möglichkeit gegeben, private Gymnasien mit Unterricht in ihrer jeweiligen Landessprache zu errichten. Seit der Gründung des staatlichen Programms „Integration in die estnische Gesellschaft 2000-2007“ gehört auch der Übergang zum zweisprachigen Unterricht an staatlichen und städtischen russischsprachigen Gymnasien zum staatlichen Lehrplan der Regierung, um den Jugendlichen in Estland durch die frühe Vermittlung der estnischen Sprache bessere Ausbildungs- und Berufschancen zu ermöglichen. Ab 2008/2009 wurde in allen 63 russischsprachigen Gymnasien der Anteil an Unterrichtsfächern, die in Estnisch stattfinden, erhöht. Der Anteil an Fremdsprachen wie z.B. Englisch, Deutsch oder Finnisch steigt im Zuge der Globalisierung stetig an. Auch die Hochschulen gleichen ihre Rahmenbedingungen immer mehr an internationale Standards an und fördern den akademischen Austausch durch ausländische Gastdozenten und Studenten. Deutschland und Estland haben zum Erhalt der deutsch-baltischen Kultur zahlreiche akademische Gesellschaften gegründet und auch zwischen den Hochschulen der Länder besteht ein reger wissenschaftlicher Austausch. Seit 1997 findet traditionell jedes Jahr die deutsch-estnische akademische Woche „Academica“ statt. Im April 1998 eröffnete das Goethe-Institut am Deutschen Kulturinstitut Tallinn eine Zweigstelle und auch die Gründung der Eurofakultät an der Universität Tartu (deutsch: Dorpat) im Jahr 1993 geht auf deutsche Initiatoren zurück, die bis heute dieses Projekt aktiv betreuen. Die „Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die „Alexander von Humboldt-Stiftung“ engagieren sich ebenfalls aktiv für die Verbesserung der Bildung und Wissenschaft durch Literaturspenden und Ausstattungshilfen, die „Robert Bosch-Stiftung“ hat sich verpflichtet, Sprachlehrer für den Deutschunterricht nach Estland zu senden.