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Tallinn – Kulturhauptstadt 2011

Die Initiative, jedes Jahr eine andere Stadt innerhalb der EU für die Dauer eines Jahres zur Kulturhauptstadt Europas zu wählen entstand bereits...

Die Initiative, jedes Jahr eine andere Stadt innerhalb der EU für die Dauer eines Jahres zur Kulturhauptstadt Europas zu wählen entstand bereits 1985 durch den Beschluss des Europa-Parlamentes. Im Rotationsverfahren sollte jedes EU-Land die Möglichkeit erhalten, seine landestypische Kultur durch eine Vielzahl an unterschiedlichen kulturellen Veranstaltungen, die von der EU und grossen Firmen des jeweiligen Landes finanziell gefördert werden, in einer ausgewählten Stadt zu präsentieren. Seit einigen Jahren ist der europäische Kulturrat dazu übergegangen, pro Jahr mindestens zwei Städte aus verschiedenen EU-Ländern als Kulturhauptstädten zu benennen, um die Parallelen in der historischen Entwicklung der europäischen Länder zu verdeutlichen und die Entwicklung eines besseren Gemeinschaftsgefühls zwischen den Menschen in der EU zu unterstützen.

In diesem Jahr präsentieren sich die estnische Hauptstadt Tallinn und die nur gut 170 km entfernte Stadt Turku in Finnland als Kulturhauptstädte 2011 und hoffen auf möglichst viele Besucher aus den europäischen Nachbarstaaten, die an den hochwertigen Kulturveranstaltungen der beiden Städte teilnehmen. Zwischen Finnland und Estland besteht eine starke kulturhistorische Verbindung, die sich unter anderem in der Ähnlichkeit der beiden Sprachen verdeutlicht und eine unbeschwerte Kommunikation beider Nationalitäten miteinander ermöglicht. An den Wochenenden ist die estnische Hauptstadt schon lange ein beliebtes Ausflugsziel für viele Finnen. Sie kommen mit der Fähre von Helsinki und nutzen in Tallinn das abwechslungsreiche Angebot an modernen Geschäften zum Einkaufen oder geniessen am Abend das ausgelassene Feiern in den zahlreichen Clubs und Diskotheken der Stadt. Die beiden Kulturhauptstädte stehen sich also sehr freundschaftlich gegenüber und haben bereits mit den unterschiedlichen Terminen zur Eröffnung ihres städtischen Kulturjahres eine respektvolle Zusammenarbeit unter Beweis gestellt. Turku startete sein Kulturjahr erst am 15. Januar und überliess der grösseren estnischen Hauptstadt den zeitlichen Vortritt zum Jahresbeginn. Beide Städte hatten ganze vier Jahre Zeit, um sich mit der Planung von interessanten kulturellen Veranstaltungen zu beschäftigen und als würdige Kulturhauptstädte 2011 der europäischen Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die estnische Hauptstadt Tallinn stellte ihre Kulturveranstaltungen unter das Motto „Geschichten vom Meer“ und nimmt damit Bezug auf die unmittelbare Lage an der Ostsee, die kulturhistorisch von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt war. Während des Kalten Krieges zwischen den USA und Russland war der Hafen in Tallinn militärisches Sperrgebiet und der Zugang zum Meer blieb den Esten bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 verschlossen. Im Gedenken an diese Zeit wurde anlässlich des Kulturjahres 2011 der Bau eines neuen Meeresmuseums mit Strandpromenade im ehemaligen Wasserflugzeug-Hafen von Tallinn geplant, wo nach Abschluss der Bauarbeiten unter anderem das einzige estnische U-Boot „Lembit“ und der 1914 gebaute Dampf-Eisbrecher „Suur Töll“ dauerhaft ausgestellt werden sollen. Die feierliche Eröffnung des Museums wird anlässlich der „Tallinner Meerestage“ am späten Abend des 15. Juli 2011 stattfinden und von zahlreichen künstlerischen Darbietungen und Musikkonzerten begleitet werden.

Tallinn gehört mit „nur“ rund 400.000 Einwohnern zu den kleineren europäischen Hauptstädten und hatte mit einem Budget von insgesamt 16 Millionen Euro für die Gestaltung der geplanten Kulturprojekte und Veranstaltungen im Gegensatz zur Vorgängerstadt Essen nicht gerade Unsummen zur Verfügung. Aber bereits die Eröffnungsfeier zum Kulturjahr 2011, die mit öffentlichen Konzerten am Silvesterabend 2010 auf dem Theaterplatz stattfand und viele Tausende Besucher hatte, demonstrierte auf beeindruckende Weise, wie gut man in Tallinn auch mit kleinen Mitteln stimmungsvolle Feste feiern kann. Die baulichen Veränderungen in der Stadt werden sich entsprechend des doch ziemlich bescheidenen Budgets in überschaubarem Rahmen halten. Dafür beeindruckt das Engagement von hochkarätigen nationalen und internationalen Künstlern aus allen Bereichen der Kunst, die anlässlich des Kulturjahres 2011 mit thematisch breit gefächerten und künstlerisch oft sehr innovativ gestalteten Darbietungen immer wieder für hochwertige Unterhaltung in Tallinn und Umgebung sorgen, um so mehr und lockt hoffentlich viele Gäste in die estnische Kulturhauptstadt.
Da Estland mit Start des Kulturjahres im Januar 2011 gleichzeitig auch die europäische Gemeinschafts-Währung eingeführt hat, entfällt der lästige Währungstausch und Touristen aus anderen EU-Ländern können sich noch schneller in der charmanten estnischen Hauptstadt heimisch fühlen.